Memorandum der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika zur gegenwärtigen internationalen Lage und zu den Entwicklungen in und um Kuba
Die Vereinigten Staaten von Amerika werden auch in diesen bedrohlichen Zeiten treu und fest an der Seite ihrer Alliierten stehen, um Freiheit und Demokratie zu verteidigen, hierin sehen wir als führende Nation unsere ehrenvolle Verpflichtung. Gerade unseren Freunde in Westberlin sichern wir unsere wachsame Hilfe zu, der Status dieser Stadt stellt keinen Gegenstand für Verhandlungen oder gar Erpressungen dar, sondern ist unabdingbare und oberste Priorität der Politik unserer Regierung.
Mit besonderer Besorgnis blicken wir in diesen Tagen auch zu unserem Nachbarn Kuba. In Übereinstimmung mit der gemeinsamen Solidaritätserklärung der Organisation amerikanischer Staaten von 1954 in Caracas können wir eine anhaltende Bedrohung der Souveränität, der politischen Unabhängigkeit und letztendlich des Friedens der amerikanischen Staaten und der Welt durch den Internationalen Kommunismus und durch die Stationierung weiterer Waffen des Warschauer Paktes in Kuba nicht dulden.
Wir verurteilen ausdrücklich das kriminelle Vorgehen gegen US-amerikanische Unternehmen durch die kubanische Regierung und warnen die Welt vor einer weiteren Einflussnahme durch die UdSSR, die nur eine destabilisierende Wirkung zur Folge haben kann. Unser Land wird sich gegen jede Bedrohung, die von Kuba ausgehen wird, wehrhaft verteidigen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika fordert die Durchführung freier Wahlen in Kuba, damit das kubanische Volk sich aus der Unterdrückung durch die derzeitige kubanische Führung befreien und wieder in die Gemeinschaft der freien Völker zurückkehren kann. Solange die Situation in Kuba noch eine Gefährdung unserer nationalen Sicherheit darstellt, müssen die wirtschaftlichen und politischen Maßnahmen gegen die Regierung in Havanna aufrecht erhalten werden. Die Führung in Moskau fordern wir auf, weitere eskalierende Schritte in Westberlin, in Kuba und in anderen Teilen der Welt zu unterlassen, damit eine friedliche Koexistenz möglich und der Frieden bewahrt wird. Frieden ist zwangsläufig das vernünftige Ziel vernünftiger Menschen. Auf dieser unverzichtbaren Grundlage sind wir bereit, den Dialog zu suchen, um damit einen sinnlosen totalen Krieg, der durch die nukleare Bedrohung ein neues Gesicht bekommen hat, unmöglich zu machen. Nur so ist es möglich, den Menschen ihre unveräußerlichen Rechte auf Leben, Freiheit und Streben nach Glück zu gewährleisten.
Für die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika,
gez. John Fitzgerald Kennedy
Washington, im April 1962